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Das Reise- und Rezeptbuch von Ulrich Daniel Metzger

Der gelernte Glas- und Hinterglasmaler Ulrich Daniel Metzger legte sein Reise- und Rezeptbüchlein 1708 an und trug auf seiner Wanderschaft seine Eindrücke, Rezepturen und Erfahrungen zusammen, zeichnete gesehene Kunstwerke ab und sammelte Widmungen verschiedener Künstlerkollegen. Das Notizbuch erweist sich als ungewöhnlich reiches Dokument, um die typische facettenreiche Persönlichkeit seiner Zeit zu dokumentieren. Anhand der Einträge mit Datum und Ort lässt sich seine Reise nachvollziehen und sein Netzwerk zu anderen Künstlern rekonstruieren. Da uns Metzger neben der Handschrift auch verschiedene Werke unterschiedlicher Gattungen hinterlassen hat, wird man das in der Handschrift versammelte Wissen zu Farbmitteln und Maltechniken mit den ausgeführten Arbeiten des Verfassers vergleichen können. Mit ihrer Hilfe lässt sich sein Selbstverständnis als Mensch, sein Werdegang und auch seine künstlerische Bildung rekonstruieren. Hiermit ist das Büchlein aber auch Dokument der allgemeinen Lebensumstände eines Kunsthandwerkers, insbesondere der sozialen und wirtschaftlichen Stellung der Glasmaler und Hinterglasmaler zu Beginn des 18. Jahrhunderts in ganz Mitteleuropa.

Das Projekt begnügt sich nicht mit der quellenkritischen Edition des Reise- und Rezeptbuches, sondern möchte vielmehr das Künstlerleben eines Wandergesellen aus verschiedenen Perspektiven nachzeichnen. Es wird Wert darauf gelegt, die verschiedenen Verflechtungen von Werken, Materialien und Techniken sowie Personen, Orten und Ereignissen untereinander aufzuzeigen und diese mit den Erkenntnissen aus den Untersuchungen der kunsthistorischen, historischen und kunsttechnologischen Forschung zu verbinden. Dies erfolgt einerseits durch eine argumentative schriftliche Auswertung und anderseits durch eine geeignete digitale, für das Projekt spezifisch neu entwickelte Webplattform.

Das Reise- und Rezeptbuch von Ulrich Daniel Metzger wird erstmals in seiner Gesamtheit veröffentlicht. Mit dem umfangreichen Kommentar zu Leben und Wanderroute Metzgers, zu seinem Beziehungsnetzwerk, den Zeichnungen im Buch sowie zu den Rezepten wird das Manuskript für die weitere Forschung aufgearbeitet.

Mit dem Einbezug von Materialanalysen in die Auswertung und Deutung der Werke Metzgers leistet das Projekt einen Beitrag zur Förderung des Dialogs zwischen Kunsttechnologie und Kunstgeschichte. Die Aufarbeitung des Künstlerlebens und der Arbeitsbedingungen aus der Sicht eines Gesellen setzt jedoch auch exemplarisch eine Künstlergruppe ins Zentrum, die bisher in der traditionellen Kunstgeschichte vernachlässigt wurde. Das Projekt bereichert damit die historischen und kunsthistorischen Forschungen und versteht sich als Anregung, sich vermehrt den Randgebieten der Kunstgeschichte zu widmen.

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