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Lebendige Bilder

Leuchtende Glasmalereien ziehen auch heute noch viele Menschen in ihren Bann. Unsere Wahrnehmung ist jedoch stark geprägt von Ausstellungen und Abbildungen, die diese Kunstwerke als unbewegte Bilder wiedergeben. Glasmalereien sind aber alles andere als statisch! Sie verändern sich stetig im wechselnden Licht und durch den farblichen Wandel der Hintergründe. Besonders anschaulich wird dies, wenn man – wie zu früheren Zeiten wohl noch üblicher - Glasmalereien über einen längeren Zeitraum oder wiederholt betrachtet. Im rötlichen Abendlicht erscheinen bestimmte Farben wärmer als im grellen Licht der Mittagssonne. Diese Dynamik, die man auch als „vierte Dimension“ der Glasmalerei bezeichnet, gehört zu den wesentlichen Eigenheiten dieser transparenten Bildgattung. Mit den Tages- und Jahreszeiten oder auch dem Wetter werden Glasmalereien fortdauernd neu belebt, ihr Bildcharakter steht stets auch im Zeichen ihrer Rolle als Medium, das zwischen einem Innen- und einem Aussenraum vermittelt.

Ein Forschungsprojekt des Audiovisual Communications Laboratory (LCAV) der EPFL, das mit dem Vitrocentre Romont in engem Austausch stand, hat gezeigt, dass sich diese Phänomene rechnerisch simulieren und digital visualisieren lassen. Für die Simulation wurden mehrere Tausend Bilder einer Glasmalerei unter ganz unterschiedlichen Lichtbedingungen aufgenommen. Aus dieser riesigen Menge an digitalen Bilddaten wurde eine „Light Transport Matrix“ des Glasbildes berechnet, die es erlaubt, ein beliebiges Werk in jeder erdenklichen Beleuchtungssituation darzustellen.

Die folgende Animation zeigt, was mit einer Glasmalerei geschieht, wenn sich Lichtfarbe und Lichtintensität verändern und wie kleine Luftbläschen im Glas und unebene Glasoberflächen bei wechselndem Lichteinfall die Strahlung unterschiedlich streuen.

Animation

Partner

Forschungszusammenarbeit zwischen dem Audiovisual Communications Laboratory (LCAV) der EPF Lausanne und demVitrocentre Romont. Hauptbearbeitende: Niranjan Thanikachalam (EPFL), Stefan Trümpler und Sophie Wolf (Vitrocentre Romont)

Publikationen und Links

Niranjan THANIKACHALAM,  Loïc BABOULAZ, Paolo PRANDONI, Stefan TRÜMPLER, Sophie WOLF, Martin VETTERLI, Vitrail: Acquisition, Modelling and Rendering of Stained Glass, in: IEEE Transactions on Image Processing, 2016, 4475–4448. (DOI: 10.1109/TIP.2016.2585041).

Stefan TRÜMPLER, Couleurs dynamiques … ou comment voir les vitraux autrement, in: NIKE Bulletin, 1/2019.

https://lcav.epfl.ch/people/lcav-alumni/people-niranjan_thanikachalam/

Vitrocentre Romont – Au Château – Postfach 225 – CH-1680 Romont – Tel. +41 (0)26 652 18 34 – Fax +41 (0)26 652 49 17 – cr:vasb:ivgebprager.pu