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Johann Jakob Röttinger: Ein Glasmalerpionier im Dienste des Historismus

«...gemäß den Regeln und Gesetzen der Ästhetik und der christlichen Kunst [...]»

Johann Jakob Röttinger: Ein Glasmalerpionier im Dienste des Historismus

Der Nürnberger Glasmaler Johann Jakob Röttinger (1817 – 1877) immigrierte 1844 nach Zürich, wo er sich 1848 mit seinem eigenen Glasmalerei-Atelier etablierte. Er schuf Glasmalereien in der Deutschschweiz, in der Romandie, in Süddeutschland und im Elsass. Die Ausführung der Glasmalereien musste laut Verträgen häufig nach den „Regeln der christlichen Kunst“ erfolgen und hatte zugleich ästhetischen Ansprüchen zu genügen. Künstlerisch gesehen ist Röttinger den Nazarenern zuzuordnen; darüber hinaus erfüllte er als „Diener des Historismus“ die Wünsche seiner Auftraggeber im neugotischen und romanischen Stil und lehnte sich dabei an die seit dem Mittelalter übliche Glasmalereitradition an. Der charismatische Geschäftsmann und Arbeitgeber zeichnete sich durch die Solidität seiner Arbeiten, dem Pflichtbewusstsein gegenüber Mitarbeitern und Kunden sowie der Wertschätzung der Mitarbeit seiner Ehefrau aus, was ihn nicht nur menschlich ehrte, sondern ihm darüber hinaus gesellschaftlich und wirtschaftlich zugute kam. Seine Anerkennung als Mentor und Arbeitgeber bei in- und ausländischen Mitarbeitern, die ihre bei Röttinger erworbenen Kenntnisse in ihrer Heimat weiter praktizierten, trug wesentlich zum Kulturtransfer des Metiers der Glasmalerei bei. Johann Jakob Röttinger wirkte als Inventarisator und Restaurator mittelalterlicher Glasmalereien – eine Beschäftigung, die ihm den Ruf des frühen Denkmalpflegers einbrachte. Darüber hinaus profilierte er sich als Lehrmeister für die nachfolgende Glasmalergeneration.

Das Forschungsprojekt wurde unterstützt durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und die Denkmalpflegeämter des Kantons und der Stadt Zürich.

Dissertation 2012, Phil. Fakultät, Universität Zürich. Erstgutachten: Prof. Dr. Brigitte Kurmann-Schwarz, Zweitgutachten: Prof. Dr. Tristan Weddigen (Kunsthistorisches Institut der Universität Zürich).

Die Arbeit ist 2014 in der Publikationsreihe des Vitrocentre Romont erschienen; siehe unter Publikationen

Zusammenfassung der Dissertation (pdf, 66 KB)

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