OK

Die Freiburger Glasmalerei des 16. bis 18. Jahrhunderts

Die während eines mehrjährigen Forschungsprojekts im Rahmen des Corpus Vitrearum untersuchten, noch heute im Kanton Freiburg erhaltenen frühneuzeitlichen Glasgemälde umfassen über 400 Werke (418). Nur noch wenige unter ihnen befinden sich noch heute an ihrem ursprünglichen Stiftungsort. Darunter zählen die Bestände in der Pfarrkirche zu Berberêche und in der Pérolles-Kapelle in Freiburg sicher zu den eindrücklichsten Zeugnissen. In Meyriez begegnen uns noch drei Scheiben des frühen und mittleren 16. Jahrhunderts. Die Pfarrkirche Remaufens und die Maria-Schnee-Kapelle in Lessoc/Le Buth bergen kleinere Scheibenserien der Zeit um 1660–1680, einzelne Wappenfenster blieben in Crésuz, Vuisternens-en-Ogoz und La Corbaz erhalten. Über die Hälfte der bearbeiteten Werke gehört heute dem Museum für Kunst und Geschichte Freiburg (MAHF) (e-collection MAHF). Der andere Teil befindet sich in öffentlichen Sammlungen, namentlich den Museen von Bulle, Gruyères, Murten, Romont, in der Burgergemeinde Freiburg und in Privatbesitz.

Freiburg i. Ü., seit jeher der Angelpunkt germanischer und französischer Kultur und Sprache in der Schweiz, beteiligte sich seit dem späten 15. Jahrhundert rege an der Fenster- und Wappenschenkung der eidgenössischen Orte. Die als Bildmedium äusserst wirksamen Glasbilder, die sich Kantone, kirchliche und gesellschaftliche Institutionen und Privatpersonen anlässlich von Bauprojekten stifteten, spielten eine wichtige Rolle im Selbstverständnis der Eidgenossen und förderten die Identität und Zusammengehörigkeit ihres Staatenbundes in kaum abschätzbarem Masse.

Erstmals konnten die 145 Fensterglaser und Glasmaler in Freiburg umfassend erfasst werden. Nur wenige ihrer Werke sind signiert oder durch Quellen für einzelne Glasmaler gesichert. Dennoch konnte der grössere Teil der Werke bestimmten Glasmalern zugeschrieben werden. Zu denken ist dabei vor allem an die Glasmaler Rudolf Räschi, Heinrich Ban, Christoph Heilmann, Sebastian Schnell, Johann Wäber, Jost Hermann und Leontius Bucher. Nicht nur ihr Werk, auch ihr Lebensschicksal ist anhand der Forschungen klarer geworden, und man wird den Meistern einen gebührenden Platz in der Schweizer Glasmalereiproduktion einräumen müssen.

Zu den Auftraggebern der Glasgemälde zählten neben der Stadt und den Gemeinden auch die kirchlichen und klösterlichen Würdenträger wie die privaten Stifter. Die zahlreichen erhaltenen Wappenscheiben der Bürger lassen keinen Zweifel an ihrer regen Schenktätigkeit. Die Spender rekrutierten sich vornehmlich aus dem städtischen Patriziat, also jener Oberschicht, die dank ihrer Geburt und der politischen Satzungen Einsitz in Regierung und Verwaltung besass, in geringem Masse auch aus dem handwerklichen Bürgertum und der Landbevölkerung. Die Glasgemälde sind daher bedeutende Zeugnisse für die sozialen Beziehungen der Freiburger Bevölkerung untereinander und zu ihrer Obrigkeit.

Der Katalogteil dieses Werkes wurde im Juli 2018 auf der Plattform vitrosearch veröffentlicht.

Mitarbeiterin

Uta Bergmann

Projektdauer

2005–2014

Publikation

Bergmann, U. (2014). Die Freiburger Glasmalerei des 16. bis 18. Jahrhunderts = Le vitrail fribourgeois du XVIe au XVIIIe siècle. Corpus Vitrearum Schweiz Reihe Neuzeit Band 6. Bern: Peter Lang.
Bergmann, U. (2005). Les vitraux du château de Gruyères de 1480 à 1568. Patrimoine fribourgeois, 16, 52–60.
Bergmann, U. (2009). „Gemalt fenster und glasmaler“: Die Sitte der Fenster- und Wappenstiftung in Deutschfreiburg. Freiburger Volkskalender, 100, 97–102. Abgerufen von http://doc.rero.ch/record/305266/files/Freibuger_Volkskalender-2009.pdf
Kompleter Werkkatalog auf vitrosearch (416 Einträge)

Vitrocentre Romont – Au Château – Postfach 225 – CH-1680 Romont – Tel. +41 (0)26 652 18 34 – Fax +41 (0)26 652 49 17 – cr:vasb:ivgebprager.pu